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Datterode

Die Geschichte von Datterode

Dort, wo das Netratal seine engste Stelle aufweist und sowohl der Hasselbach als auch der Harmuthsbach mit ihren lieblichen Tälern die Netra erreichen, liegt Datterode. Landschaftlich zwar äußerst reizvoll gelegen, bot der karge Mergelboden der mittelalterlichen Landwirtschaft keine guten Bedingungen.

Die im Gemarkungsbereich gelegenen Wüstungen Voilroda (im Hasselbach), Wiebersbach (beim Schwimmbad) und Harmuthshausen sind als Siedlungen sicher älter als Datterode. Rettelbach, Hasselbach und Windorf dürften dagegen nur Flurbezeichnungen sein.

Datterode wird 1141 zuerst genannt, und 1188 erfahren wir, daß der Ort schon eine Kapelle hat. Die Keimzelle bildeten neun Häuser, die so um die Kirche angelegt waren, daß ein wehrbarer Innenhof entstand. Diese und auch nachfolgende Siedler zinsten nur an den Pfarrherrn und die Kirche. Die Pfarrei wurde vom Landgrafen direkt verliehen, alle Lehensträger konnten die Jagd-, Fisch-, Hute- und Gerichtsrechte ausüben. Die uns bekannten Herren waren Johann von Meimbressen 1353, Herman von Eschwege 1383, Johann von Boyneburg 1442, Dr. Conrad Sehrendeisen 1501-1521, Werner von Trott zu Solz 1522-1576, Simon Bing 1576-1581, Anton von Wersabe 1582-1594 und Craft Melchior von Madelung 1596 bis etwa 1615.

Film über Datterode
Video Datterod Film und Schnitt © Andreas Deiß

Nach dem Tod des von Madelung wurde der Ort dem Gericht Bilstein zugeschlagen und kam später zum Amt Eschwege. Auch der Besitz des Klosters Germerode war nach dessen Auflösung an die Pfarrei gefallen. Als einzige adelige Familie hatten die von Boyneburg-Wichmannshausen drei Zinshöfe im Ort. Dazu gehörte auch die Untermühle, deren Müller bereits 1437 genannt wird. Von der Obermühle hören wir um 1570, während die Schlagmühle erst um 1700 entstanden sein dürfte.

Der Dreißigjährige Krieg hinterließ in der Gemeinde gravierende Spuren. Das Pfarrhaus und viele andere Häuser wurden im Schreckensjahr 1635 niedergebrannt, die Kirche geplündert, und die überlebenden Bewohner mußten in den nahen Wäldern Schutz suchen. Von diesem Rückschlag erholten sich die Bewohner lange Zeit nicht. Armut und Not beherrschten die Gegend. 38 junge Männer machten 1776 den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit und blieben zum Teil in der Neuen Welt. Ihnen folgten in der Zeit der großen Amerikaauswanderungen zwischen 1840 und 1860 über hundert Datteröder nach, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde der Lebensunterhalt mühsam errungen. Erst als durch Industrieansiedlung in der näheren und weiteren Umgebung Arbeitsplätze geschaffen wurden, kam ein gewisser Wohlstand auf.

Ein völliger Strukturwandel vollzog sich jedoch erst nach dem letzten Weltkrieg. Datterode baute in beispielhafter Eigenleistung als eine der ersten Gemeinden im Kreis ein Schwimmbad, errichtete das schöne Ehrenmal und den Aussichtsturm und lockte damit einige Feriengäste in den herrlich gelegenen Ort. Die Bewohner erkannten schnell die sich ihnen bietende Gelegenheit und halfen tatkräftig an der Verschönerung des Dorfbildes mit. Weitere Freizeiteinrichtungen wie Minigolf, Grillplätze, Sportstätten und ein modernes Bürgerhaus mit Kegelbahn sind nur einige Beispiele aus dem attraktiven Erholungsangebot der Gemeinde. Auf den etwa hundert Kilometer ausgebauten und beschilderten Wanderwegen in die bis zum Ort reichenden Wälder und Berge begegnen uns viele Orchideenarten, Versteinerungen im Muschelkalk und die doch sonst schon recht selten gewordenen Greifvögel. Nicht zuletzt sorgen ansprechende Gasthöfe, moderne Pensionen und viele Privatzimmer für das leibliche Wohl der Besucher, deren Zahl in den letzten Jahren überdurchschnittlich angestiegen ist.

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